Die Geschichte eines weggeworfenen ATARI 130XE
Ich erzähle euch eine Geschichte, die wohl jeder Sammler und Liebhaber von Retro-Computern gern einmal erleben würde. Wo und wie ich zu dem ATARI gekommen bin, überspringe ich und gebe stattdessen vollständig wieder, was mir der Herr erzählte, der den weggeworfenen ATARI gerettet hat. Ich zitiere also:
Ich gehe also vor unseren Wohnblock, um den Müll zum Container zu bringen, öffne den Deckel und direkt vor meinen Augen liegt eine Atari-Schachtel. Der Container war bis unter den Deckel gefüllt. Ganz oben lag ein sauber aussehender grüner Teppich und darauf leuchtete die ATARI-Schachtel. Trocken und warm – es war ein wunderschöner Sommertag. Jemand musste ihn erst kurz vor meiner Ankunft dort hineingelegt haben.
Ungläubig stupste ich gegen die Schachtel. Sie war schwer, also war die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Rechner tatsächlich darin steckte. Mein Herz begann zu rasen. Ich konnte ihn aber nicht einfach aus dem Container ziehen und mit nach Hause nehmen. Auf keinen Fall vor den beiden Mädchen, die auf der Treppe vor dem Wohnblock saßen und in meine Richtung schauten. Wie würde das denn aussehen? Oder was, wenn sie denjenigen kennen, der den Atari in den Container geworfen hatte? Dann würden sie vielleicht herausfinden, dass man ihn gut verkaufen kann, und ihn noch zurückhaben wollen. Ich würde ihn ihnen ganz bestimmt nicht geben wollen. Das könnte die nachbarschaftlichen Beziehungen verschlechtern.
Vorsichtig schloss ich den Deckel über dem Atari und ging mit unbewegter Miene an den Mädchen vorbei. Ich ließ ihn dort!!! Im Vorbeigehen kontrollierte ich aus dem Augenwinkel noch, wie weit die Zigaretten heruntergebrannt waren, an denen die Mädchen zogen. Es sah nach höchstens drei Minuten aus. Ooooh, eine furchtbar lange Zeit. Ich kam in meine Wohnung mit nur einem Gedanken: den ATARI um jeden Preis bekommen. Ich schloss die Tür hinter mir und stellte mich vorsichtig ans Fenster. Die Mädchen konnte ich nicht sehen, aber ich hörte sie immer noch reden. Den Container hatte ich perfekt im Blick. Wenn jetzt jemand kommt und mir den Atari vor der Nase wegschnappt, werde ich verrückt.
Und die Mädchen quatschten und quatschten. Das kann doch nicht wahr sein. Bestimmt hatten sie sich noch eine Zigarette angezündet. Ich gab das Warten am Fenster auf und beschäftigte mich mit etwas anderem. Sobald ich die Haustür des Wohnblocks zuschlagen hörte, wartete ich keine Sekunde und rannte in Hausschuhen hinaus. Vor dem Container sah ich mich um, ob wieder jemand in der Nähe war. Unbemerkt nahm ich den Atari und eilte nach Hause. Ohne zu zögern öffnete ich die Schachtel, die schon für sich genommen wie neu aussah. Der Atari steckte im Originalbeutel und in den Styroporeinsätzen. Das Netzteil war in seiner kleinen Schachtel. Wunderschön! Meine Freude kannte keine Grenzen. Ich stellte ihn auf den Schrank mit dem Vorsatz, ihn bald auszuprobieren. Dort lag er dann allerdings noch zwei weitere Jahre, und so wurde es Zeit, ihn weiterzugeben. Hoffentlich wird er jemandem Freude machen.
Und so musste für diesen Atari ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Ich nahm Kontakt mit dem Herrn auf, ein Wort ergab das andere, und wir fuhren ihn mit der Familie besuchen.

Wieder machten wir aus der Unternehmung einen Familienausflug und genossen gemeinsam einen schönen Herbsttag. Noch am selben Abend nach der Rückkehr packten wir den ATARI aus und schlossen ihn an den Bang & Olufsen MX4000 Fernseher an, den wir fürs Retro-Gaming und zum Anschauen von VHS-Kassetten verwenden. Meiner Meinung nach wurde dieser ATARI nur äußerst wenig benutzt.

Seinen Zustand einschließlich der Schachtel würde ich mit 99,9 % bewerten. Absolut keine Gebrauchsspuren. Als Bonus war eine Visicopy-II-Cartridge von JRC dabei, die ich noch nicht in meiner Sammlung hatte. Es ist traurig, dass jemand etwas in einem so schönen Zustand gedankenlos in den Müll wirft. Jetzt muss der ATARI keine Angst mehr haben. Bei uns wird er wie auf Händen getragen, und vor allem werden auch die Kinder damit spielen. Genau so sollte es sein.