PACOMP und Comtech: die Geschichte einer vergessenen deutschen Computermarke

Manche alten Computer fallen durch ihren Prozessor, ihre Grafikkarte oder ein ungewöhnliches Mainboard auf. Bei diesem Rechner war anfangs jedoch etwas ganz anderes am interessantesten. Auf der Front befindet sich ein kleines comtech-Logo, während auf der Unterseite des Gehäuses ein Herstelleraufkleber mit der Aufschrift PACOMP – Assembled in Germany erhalten geblieben ist. Zwei verschiedene Namen auf einem Computer. Zufall, ein späterer Gehäusetausch oder standen die beiden Marken miteinander in Verbindung?


Genau dieses kleine Rätsel brachte mich dazu, nach einem Unternehmen zu forschen, das heute praktisch aus dem Gedächtnis verschwunden ist. Dabei stellte sich heraus, dass PACOMP und Comtech tatsächlich zwei Kapitel derselben Geschichte sind – der Geschichte eines deutschen Computerhändlers und -herstellers, der in den 1990er Jahren ein durchaus bedeutender Marktteilnehmer war.

Comtech war kein kleiner lokaler Händler

Die Comtech Computersysteme GmbH wurde 1985 in Deutschland gegründet. In den folgenden Jahren baute sie ein umfangreiches Netz von Computerläden auf und gehörte auf dem deutschen Markt zu den bedeutenderen spezialisierten PC-Händlern.

Ein zeitgenössischer Heise-Artikel aus dem Jahr 1996 beschreibt die Struktur der Gruppe sehr anschaulich. Neben dem eigentlichen ComTech-Filialnetz existierte damals Pacomp, das für Einkauf und Produktion zuständig war. Als Comtech im Sommer 1996 neunzig deutsche Filialen der insolventen Escom-Kette übernahm, verfügte ComTech selbst bereits über mehr als hundert eigene Verkaufsstellen. Es handelte sich also nicht um einen kleinen PC-Schrauber im Hinterzimmer eines Ladens, sondern um eine recht große Computergruppe.

Das erklärt zugleich, warum auf zeitgenössischen Rechnern die Marke PACOMP auftaucht. Es war keine fremde Firma, die zufällig mit Comtech verbunden war, sondern die eigene Marke und Produktionssparte der Gruppe, unter der komplette Computer, Monitore und weitere Hardware verkauft wurden.

PACOMP: eigene Computer für den deutschen Markt

Mitte der 1990er Jahre tauchen in zeitgenössischen Unterlagen Systeme mit der Bezeichnung Pacomp Hyperspeed auf. Ihre Konfigurationen lesen sich heute wie ein wunderschöner Katalog der damaligen PC-Welt. Im September 1997 wurde beispielsweise ein Hyperspeed mit einem Cyrix 6x86MX PR200, 16 MB EDO-RAM, 1,2-GB-Festplatte, 16×-CD-ROM-Laufwerk und Terratec-Soundkarte angeboten. Der Preis begann bei 1666 D-Mark.

Einige Monate zuvor bot das Unternehmen außerdem einen Hyperspeed mit IBM 6×86 PR200+, 16 MB Speicher, 2-GB-Festplatte und Matrox Mystique-Grafik an. Ein interessantes Detail: Auch zu dieser Zeit wurden die angebotenen 15- und 17-Zoll-Monitore ausdrücklich weiterhin als Pacomp bezeichnet.

Die Konfigurationen änderten sich natürlich schnell, je nachdem, was Intel, AMD, Cyrix, IBM, ATI oder Matrox gerade anboten. Typisch war nicht eine bestimmte Plattform, sondern vielmehr, dass Comtech komplette Rechner aus allgemein verfügbaren Komponenten zusammenstellte und als eigene Systeme verkaufte. Gerade deshalb ist die Identifikation eines konkreten Modells heute schwieriger als bei einem Markenrechner von Dell, IBM oder Compaq.

1997: PACOMP wird zu comtech

Die entscheidende Veränderung kam 1997. Nach der Übernahme eines Teils des Escom-Netzes begann die Gruppe, ihre Aktivitäten unter einem Namen zu vereinheitlichen. Der zeitgenössische November-Funkamateur beschrieb dies völlig eindeutig: Die Vertriebsgruppen ComTech und Escom 2001 wurden unter der gemeinsamen Bezeichnung comtech zusammengeführt, und auch die Marke Pacomp sollte in comtech umbenannt werden.

Genau hier kommen wir zu dem Computer zurück, mit dem die ganze Recherche begann. Auf der Front trägt er bereits das neue comtech-Logo, auf der Unterseite des Chassis befindet sich jedoch noch das Schild PACOMP – Assembled in Germany. Eine solche Kombination ergibt historisch also sehr viel Sinn. Das Chassis oder die Produktionskennzeichnung kann noch aus dem Produktionssystem von Pacomp stammen, während der Rechner nach außen bereits unter der vereinheitlichten Marke comtech verkauft wurde.

Das bedeutet noch nicht, dass wir die genaue Werksbezeichnung unseres Exemplars kennen.Die Nummer auf dem erhaltenen Typenschild konnte ich bislang keinem konkreten zeitgenössischen Prospekt zuordnen. Das Verhältnis der beiden Marken zueinander ist jedoch kein Rätsel mehr.

Comtech Ende der 1990er Jahre

Das Ende der 1990er Jahre war für den PC-Markt außerordentlich dynamisch. Die Prozessorfrequenzen stiegen alle paar Monate, 3D-Beschleuniger wechselten rasch und ein gewöhnlicher Heimcomputer konnte innerhalb eines einzigen Jahres beinahe sichtbar altern. Comtech passte sich diesem Tempo an und bot Systeme auf Intel- wie auch auf AMD-Plattformen an.

Für unsere Recherche ist interessant, dass in zeitgenössischen Comtech-Systemen regelmäßig Komponenten von Marken auftauchten, die wir auch in dem erhaltenen Computer aus der Zeit um 1999/2000 finden – beispielsweise ATI, schnelle IDE-CD-ROM-Laufwerke oder SDRAM. Im Angebot befanden sich auch leistungsfähigere Grafikvarianten für Spieler.

Das ist vor allem deshalb wichtig, weil man bei der Restaurierung eines alten Computers leicht eine Konfiguration zusammenstellen kann, die zwar leistungsfähig ist, historisch aber wenig Sinn ergibt. Bei Comtech können wir die gefundene Hardware dagegen mit dem vergleichen, was das Unternehmen zur selben Zeit tatsächlich anbot.

Von Computerläden zu Mobilcom

Comtech wuchs unterdessen weiter und suchte starke Partner. 1997 arbeitete das Unternehmen auch mit IBM zusammen, und nach der Übernahme der Escom-Filialen stieg die Zahl der Verkaufsstellen deutlich. Ende der 1990er Jahre wurde die Verbindung mit dem Telekommunikationsunternehmen Mobilcom immer enger, und 1999 wurde Comtech in dessen Gruppe integriert.

Aus heutiger Sicht mag das etwas ungewöhnlich wirken, doch um die Jahrtausendwende rückten Computer, Internet und Telekommunikation schnell zusammen. Die Verbindung eines großen PC-Händlers mit einem Telekommunikationsunternehmen ergab damals daher deutlich mehr Sinn als heute.

Das erste Ende von Comtech

Der Beginn des neuen Jahrtausends verlief nicht mehr so erfolgreich. Mobilcom geriet selbst in Schwierigkeiten und kündigte 2002 die Schließung Dutzender Comtech-Filialen an. Den Hauptteil der Gruppe übernahm anschließend Trend-e-pak.

Doch auch das rettete das Unternehmen nicht. Am 13. März 2003 meldeten die Comtech Computersysteme GmbH und die Comtech 2001 Computersysteme GmbH Insolvenz an. Damit endete das ursprüngliche Kapitel von Comtech, das seit Mitte der 1980er Jahre zu einem der bedeutenderen deutschen Computer-Filialnetze herangewachsen war.

Der Name Comtech lebte noch einmal auf

Die Marke verschwand jedoch nicht vollständig. 2004 wurde der Name comtech zusammen mit der Domain comtech.de erneut für einen neuen Onlineshop verwendet. Dieser war jedoch keine Fortsetzung des ursprünglichen Modells eines großen Netzes eigener PC-Filialen, wie man es aus den 1990er Jahren kannte.

Der neue Comtech war noch viele Jahre als Onlinehändler für Elektronik tätig. 2019 endete jedoch auch dieses Unternehmen in der Insolvenz; Ende November wurde der Betrieb eingestellt. Heute gehören somit sowohl der ursprüngliche Comtech als auch seine spätere Online-Wiedergeburt der Vergangenheit an.

Warum mir diese Geschichte gefällt

Comtech und PACOMP haben heute nicht den Klang von Marken wie IBM, Compaq, Dell oder Gateway. Gerade deshalb finde ich ihre Geschichte interessant. Sie gehörten zu einer Zeit, in der sich Personal Computer in Europa schnell vom teuren Arbeitsgerät zum normalen Bestandteil der Haushalte entwickelten und ein großer Teil des Marktes aus lokal zusammengestellten Computern mit Komponenten verschiedener Hersteller bestand.

Ein erhaltenes Typenschild auf der Unterseite eines beigefarbenen Gehäuses öffnete so schließlich den Weg zu einer beinahe vergessenen Marke. Und der Computer selbst, in dem ich dieses Schild gefunden habe, verdient eine eigene Fortsetzung.

Beim nächsten Mal: ein konkreter Comtech mit AMD K6-III

Im nächsten Teil schaue ich direkt in den gefundenen Rechner hinein. Die Basis bildet ein Tekram P5M3-A+ mit Super Socket 7 und einem AMD K6-III/400. Wir gehen die ursprünglichen Komponenten, die ATI-Grafikkarte, Speicher und Laufwerke durch und beschäftigen uns auch mit der Frage, was man ergänzen kann, damit der Computer der Zeit um 1999 treu bleibt. Im Gespräch ist unter anderem eine 3dfx Voodoo3 sowie eine Sound Blaster Live!.

Und vielleicht gelingt es bis dahin auch, das zu finden, wonach ich weiterhin suche: einen zeitgenössischen Prospekt oder eine Zeitschriftenanzeige mit einem Foto genau dieses Gehäuses.

Quellen und weiterführende Lektüre

Bei meiner Recherche stützte ich mich vor allem auf zeitgenössische Meldungen und digitalisierte Zeitschriften. Besonders interessant sind folgende Quellen:

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